Vorschau: Jehona Kicaj
Am Literaturtelefon unter der Rufnummer 0431/901-8888 und auf www.literaturtelefon-kiel.de liest Jehona Kicaj vom 18. bis 31.5.2026 aus ihrem im Juli 2025 im Wallstein-Verlag, Göttingen erschienenen Debütroman „ë“. Die Aufnahme entstand im Rahmen der LeseLounge am 5.2.2026 im Literaturhaus Schleswig-Holstein.
Der ungewöhnliche Titel „ë“ steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. „ë“ erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovo-Krieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute vermisst oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Sinne des Wortes zur Sprache gebracht. Ein stilles und zugleich sprachmächtiges Buch, das vom Verlust der Heimat durch Krieg, von Schmerz und Sprachlosigkeit erzählt.
Jehona Kicaj, geb. 1991 in Suharekë, Kosovo und aufgewachsen in Göttingen, studierte Philosophie, Germanistik und Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Hannover. Nach wissenschaftlichen Publikationen erscheinen von ihr seit 2020 auch literarische Texte. Sie ist Mitherausgeberin der Anthologie „,Und so blieb man eben für immer’. Gastarbeiter:innen und ihre Kinder“ (2023). Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman „ë“ stand sie auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.
Website der Autorin: jehonakicaj.com
Verlag: Wallstein-Verlag
Foto: Carl Philipp Roth