Junger Literaturpreis SH 2026: Rumeysa Karakaya
Am Literaturtelefon unter der Rufnummer 0431/901-8888 und auf www.literaturtelefon-kiel.de sind in diesen Wochen die Preisträgerinnen des vom Freundeskreis des Literaturhauses Schleswig-Holstein e.V. ausgeschriebenen Jungen Literaturpreises S.-H. 2026 zu hören. Die 18-jährige Rumeysa Karakaya aus Elmshorn gewann mit ihrem Text „Zwischen den Zeilen“, den sie hier vom 13. bis 26.7.2026 liest, den 3. Preis. Die Aufnahme entstand nach der Preisverleihung am 15. April 2026 im Literaturhaus S.-H.
Die Autorin über ihren Text:
„,Zwischen den Zeilen’ erzählt von zwei Jugendlichen, deren enge Freundschaft sich im Alltag langsam verändert. In gemeinsamen Momenten in der Schule und in Erinnerungen an früher wird deutlich, wie sich Nähe allmählich in Distanz verwandelt. Viele Gedanken und Gefühle bleiben unausgesprochen und zeigen sich nur in kleinen Gesten, Blicken und Andeutungen. Im Mittelpunkt steht die leise Angst, sich zu verlieren, sowie der vorsichtige Versuch, trotzdem wieder aufeinander zuzugehen. Der Text thematisiert die Bedeutung von Zwischentönen und zeigt, dass oft gerade das Ungesagte am meisten Gewicht hat.
In ,Zwischen den Zeilen’ entfaltet sich eine poetische Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen, Erinnerung und inneren Gefühlswelten. Mit einer bildhaften, sensiblen Sprache richtet der Text den Blick auf leise, alltägliche Momente und verdichtet sie zu einer intensiven inneren Erzählung. Dabei entsteht das Porträt eines emotionalen Innenraums, der von Wahrnehmung, Erinnerung und Bedeutungssuche geprägt ist.“
Jurorin Sara Franzese in ihrer Laudatio:
„Über einen Text zu sprechen, ohne seine Handlung zu verraten, ist gar nicht so leicht. Aber vielleicht ist es gerade das, was genau zu diesem Text gut passt, denn der Text lebt davon, dass er nicht alles direkt ausspricht.
Erzählt wird eine rührende Geschichte, die sich nicht aufdrängt, sondern durch ihre ruhige und ernsthafte Art überzeugt. Der Text verbindet auf eine sehr schöne Weise Nachdenklichkeit mit kleinen Momenten von Humor. Diese Mischung aus Melancholie und sprachlichem Feingefühl macht ihn besonders. Er ist nie schwer, aber auch nie oberflächlich – eher so, dass man beim Lesen ein bisschen innehält und darüber nachdenkt.
Es geht nicht darum, immer die perfekten Worte zu finden. Im Gegenteil. Es geht darum, dass genau dieses Suchen nach Worten, diese Unsicherheit, das Zögern und manchmal auch das Nicht-Sagen genauso viel ausdrücken kann. Dass Verbindung auch ohne viele Worte bestehen kann.
Besonders schön ist, dass der Text das Gefühl von Vertrautheit vermittelt. Eine Nähe von Menschen, die nicht ständig erklärt werden muss. Das wirkt ehrlich, erwachsen und sehr echt. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Textes: Er vertraut darauf, dass wir verstehen, ohne dass alles ausgesprochen wird. Dass wir zwischen den Zeilen lesen können. Und dass gerade darin oft das Wichtigste liegt.“
Die Texte aller diesjährigen Preisträgerinnen sind nachzulesen unter: www.flsh-kiel.de.
Foto: privat